Mittwoch, 11. Oktober 2017

Ein Bankkonto in Schottland eröffnen – einfach ist anders



Wir wissen nicht erst seit „Goodbye Deutschland“, dass Auswandern nicht nur Sangria, Siesta und Sonnenuntergänge ist. Es stellen sich einem durchaus Hindernisse in den Weg, die einem neue Windungen ins Hirn furchen. Ein bisschen fühle ich mich wie in einem Computerspiel, in dem ich auf jedem Level ein Rätsel zu lösen habe, um ins nächste zu gelangen.



Das letzte Rätsel, das es zu lösen galt und das schier unüberwindbar schien, an dem sicherlich schon große Denker, Genies und Nobelpreisträger auf der Suche nach einer Formel, einer Strategie oder einem Plan gescheitert sind: ein Bankkonto in Schottland eröffnen.

Ohne Proof of Address kein schottisches Konto


Um hier ein Konto eröffnen zu können, braucht man einen Nachweis der Identität und einen Nachweis der Adresse (Proof of Address). Ersteres ist einfach: Perso raus, gut ist. Bleibt noch der Nachweis der Adresse. Jetzt ist es in Schottland so, dass es hier keine Meldepflicht gibt wie in Deutschland. Man hat also kein offizielles Formular von der Stadt, das den Wohnsitz bestätigen würde und man elegant aus dem Brustbeutel zücken könnte.

Welch Glück, ich habe ja einen Mietvertrag, dachte ich so. Nur werden Mietverträge, die mit einer Privatperson als Vermieter abgeschlossen werden, nicht als offizielle Proof of Address anerkannt, wie ich erfahren musste. Nur Mietverträge mit einer Wohnungsverwaltungsfirma etc. gelten als solche. Man fragte mich dann nach Strom- oder Gasrechnung auf meinem Namen. Ich sei doch gerade erst vor einer Woche eingezogen, erwiderte ich. Ja, ob ich denn keinen Vertrag mit einem Stromanbieter hätte. Darauf fragte ich, welcher Stromanbieter wohl mit einer Person einen Vertrag abschließen würde, die kein Bankkonto hätte. Ja, da haben sie mal groß geschaut. Aber eine Lösung für dieses Rätsel hatten sie auch nicht parat.

Wer hätte gedacht, dass das Finanzamt mich mal retten würde …


Nun, Strom und Gas laufen über meinen Mitbewohner. Eine Steuererklärung habe ich hier noch nicht gemacht und andere Nachweise, die als solche gelten, habe ich auch nicht. Eine Sache hat mich dann gerettet: Ich hatte noch von vor 17 Jahren, als ich in Schottland studierte und arbeitete, eine National Insurance Number Card, der britische Sozialversicherungsausweis sozusagen, und diese gilt ein Leben lang. Ich musste dem britischen Finanzamt schreiben und darum bitten, die Daten wie Nachname und Adresse für meine National Insurance Number zu ändern. Daher bekam ich in der Zwischenzeit zwei Briefe vom Finanzamt zugesendet. Diese wurden letztendlich als offizieller Nachweis anerkannt.

Man frage mich bitte nicht um Tipps in dieser Angelegenheit. Da bin ich eher zufällig über eine Lösung gestolpert.

Hier ein Link zur Bank of Scotland (die Liste kann man eigentlich auf alle Banken übertragen), welche Dokumente anerkannt werden:
https://www.bankofscotland.co.uk/securityandprivacy/privacy/proving-your-identity/
(Stand: Oktober 2017).

Mein nächstes Rätsel: Wie lasse ich mich in einer Hausarztpraxis registrieren in einer Gegend, in der die Praxen nur dienstags, mittwochs und donnerstags neue Patienten aufnehmen und ich nur montags frei habe? Es bleibt spannend …