Sonntag, 1. Oktober 2017

Plotten in Edinburgh!



Manchmal muss man auch mal Glück haben! So hatte ich Glück, durch einen Freund, den ich noch aus meinem Auslandsjahr vor 17 Jahren kenne, ein Zimmer in einer WG in Edinburgh gefunden zu haben. Ja, ich habe auch erst gedacht: "Ach herrje, ich bin doch keine Studentin mehr!" Aber hier in Schottland herrscht eine andere "Wohnkultur". Vor allem hier in Edinburgh ist es ganz normal, dass auch Menschen nahe an Menopause und Midlifecrisis sich eine Wohnung teilen. Fein. Ich teile mir jetzt ein Haus mit einem schottischen Künstler und einer netten Polin, die auch gerade hierher ausgewandert ist, und stehe altersmäßig zwischen den beiden.



Stereotypen im Assessment Center


Ein Dach über dem Kopf ist eine Sache. Blieb noch, eine Arbeitsstelle zu finden. Von Cupar aus, wo ich einen Monat lang den Housesitter in einem leerstehenden Haus gegeben hatte, hatte ich gefühlte tausend Bewerbungen geschrieben – und wurde dann auch in eine Personalvermittlungsfirma eingeladen. Zwei Tage später hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einer Firma in Edinburgh und musste mit 10 anderen Bewerbern durch ein Assessment Center.

Ich weiß, man sollte nicht so sehr auf Stereotypen und Klischees herumreiten, aber ich musste schon schmunzeln, dass der einzige, der einen Fehler im auszufüllenden Formular fand, ein Deutscher war, und die Schottin in unserer Runde Kopfschmerzen hatte vom vorabendlichen Pub-Besuch …

Hauptsache Wäscheständer!




Zwei Tage später bekam ich dann bescheid: Ich habe die Stelle als Social Media Agent! Ich hatte noch eine Woche Zeit, in der ich dann von Cupar nach Edinburgh gezogen bin - mit einem Koffer, einem Rucksack und einer Sporttasche - in ein Zimmer ohne Möbel …

Der erste Weg führte mich am selben Tag noch in ein Bettengeschäft. Und da es direkt um die Ecke war, arrangierte der nette Verkäufer, dass wenigstens die Matratze noch am selben Tag geliefert wurde. (Mittlerweile habe ich auch das Bettgestell, einen Nachttisch von der Mutter meines Mitbewohners und einen Wäscheständer).

Vollzeitjob und Schreiben


Die letzten zwei Wochen wurde ich in den Job eingearbeitet. Die Firma befindet sich am anderen Ende der Stadt. Ich bin also gut eine Stunde mit dem Bus dorthin unterwegs. Aber die Route führt genau durch die Innenstadt, an der ich mich nicht sattsehen kann.

Jetzt habe ich also einen Vollzeitjob und versuche, daneben an meinem Roman zu arbeiten (und zu bloggen😊). Denn ich möchte das Thema Endometriose nun auch gerne in eine spannende Geschichte packen, um auch Nichtbetroffene zu erreichen.

Shut Up And Write!


Zum Schreiben müssen zum einen die Wochenenden herhalten, bzw. in meinem Fall meine freien Tage Sonntag und Montag. Und um mich abends nach der Arbeit noch aufzuraffen, gibt es hier genügend Motivation durch sogenannte Meet-ups. Diese Woche war ich bei einem mit dem Titel "Shut Up And Write!" in einem Starbucks. Ja, und so war es dann auch: Die Leute schwiegen und schrieben. Da tippelt man dann ganz automatisch mit, und mit dem Tippen kommen dann faszinierender Weise die Ideen.

Heute war ich bei einem Meet-up von Schreiberlingen, bei dem man seine Ideen dann vorlesen und Kritik und Anregungen einsammeln kann. Erst dachte ich, ich sei völlig fehl am Platz. Es waren überwiegend ältere Herren in Cordjacken, die schon mehrere Veröffentlichungen auf dem Buchmarkt haben, und unglaublich intellektuelle, philosophische und politische Dinge vortrugen.

Etwas entspannter wurde ich dann, als eine Frau in meinem Alter dazu kam und sich entschuldigte, ihre Mitbewohnerin hätte noch einen Auftritt in einem Buchladen gehabt. "Ah, gut, sie hat auch eine Mitbewohnerin ...!", dachte ich. Und dann wollte man von mir wissen, woran ich denn gerade arbeite. So musste ich also mal wieder erst mal erklären, was Endometriose ist – man kennt das ja. Und dann erzählte ich von meiner eher profanen Story, die ich mir da habe einfallen lassen, eher aus dem Genre "Chick Lit".

Ich habe mit Stirnrunzlern und Räuspern gerechnet – aber die Reaktionen darauf fand ich geradezu ergreifend: Ich habe sehr gute, konstruktive Kritik und wirklich brauchbare Anregungen erhalten. Jeder brachte sich ein, machte sich Gedanken, wie man eine Krankheit wie die Endometriose gut in eine Geschichte verpacken könne. Es war inspirierend und berührend zugleich.

Die Leute beim Meet-up haben mir geholfen, meine Gedanken zu entknoten. Ich habe meine ursprünglichen Ideen jetzt auf zwei Bücher aufgeteilt und weiß jetzt, „wohin die Reise gehen soll“, wie es so schön heißt.

Plotten, was das Zeug hält!


Nach dem Treffen kam dann eine Frau aus der Runde zu mir und erzählte mir von ihrer Krankheit, chronisches Fatigue-Syndrom. Damit sei es ihr genauso ergangen: Sie wurde nie ernst genommen, die Ärzte sagten immer, es sei alles nur in ihrem Kopf, es habe Jahre gedauert, bis sie endlich die Diagnose hatte. Sie wolle darüber auch ein Buch schreiben, wüsste aber noch nicht so ganz, wie sie es anstellen solle. Ob wir uns austauschen könnten. Es hat mich unwahrscheinlich gefreut, dass nun auch ich meinerseits mit meiner Erfahrung helfen kann.

Morgen wird meine Aufgabe sein: Figurenentwicklung und Plotten was das Zeug hält! Nächsten Sonntag stelle ich den neuen Entwurf dann der Runde vor und freue mich schon auf weitere Kritik und Anregungen für meinen Endometriose-Roman!